Cui bono?

Dass das Kompetenzmodell der Wirtschaft (scheinbar) dient, drängt sich auf. Welcher Personalchef möchte nicht aus einem Katalog von Bewerbern denjenigen aussuchen, dessen Kompetenzprofil genau seinen Vorgaben entspricht? Das wird wahrscheinlich so gut funktionieren, wie man über die Angabe von Hobbys, Vorlieben, Augenfarbe und Brustumfang seinen Traumpartner "auf wissenschaftlicher Grundlage" in einem der zahlreichen Partnervermittlungsbüros im Internet findet.

Wenn man schaut, worauf sich die Kompetenzwende in der Didaktik stützt, so kommt man schnell auf die immer wieder zitierten Studien wie diejenige von Klieme,1  bei der man einfach die deutschen Verhältnisse den hiesigen überstülpt. Eine weitere Referenz, die immer wieder zitiert wird, ist EVAMAR II. Auf den reduktionistischen Ansatz dieser Studie, welche  viele Elemente, die Bildung ausmachen, ausblendet, weist der Leiter dieses Projekts, Professor Eberle, am Anfang der Studie ausdrücklich hin. Dennoch ignorieren die Behörden, die mit EVAMAR II argumentieren, diese Einschränkungen völlig, um für ihre Reformen Stimmung zu machen.

Ein weiterer prominenter Verfechter der Kompetenzorientierung und von Standards ist der Zürcher Pädagogikprofessor Jürgen Oelkers. Interessant ist, dass Oelkers mindestens zwei Studien im Auftrag der Bertelsmann Stiftung - einer nicht nur steuerpolitisch fragwürdigen Lobby-Organisation für den Medienkonzern Bertelsmann AG - erarbeitet hat.2  Wenn Sie dem unteren Link in der Fussnote nachgehen, sehen Sie, dass Oelkers grosse Stücke auf das Analyseinstrument SEIS hält, das Bertelsmann ausgearbeitet hat. SEIS ist genau die Art von Evaluationsregelschleife, die das totale Monitoring in einem kompetenzbasierten Bildungssystem erlaubt. Oelkers hat erhebliches Gewicht im Bildungsdiskurs, was seine Präsenz an einer Veranstaltung der Kaffeebarone  der Jacobs-Stiftung zeigt, an der auch die Nationalratspräsidentin von 2010, Pascale Bruderer,  anwesend war. Die Veranstaltung wurde von niemand Geringerem als dem heutigen SRG-Chef Roger De Weck geleitet.3  Als Fazit forderte Herr Oelkers - ein HARMOS-Apologet - "eine Harmonisierung der Standards". Wenn man seinen Vortrag "HarmoS wirkt?! Pädagogische Konsequenzen auf der Sekundarstufe II" liest, fällt auf, dass er die Standarddefinition von Diane Ravitch lobt, die unter mehreren Präsidenten die Standardisierung der amerikanischen Schulen vorantrieb.4  Lustig ist, dass Ravitch - von der Saula zur Paula gemausert, um mit Professor Herzog von der Uni Bern zu sprechen - unterdessen ein Buch veröffentlicht  hat, in dem sie eingesteht, wie verheerend die Standardisierungswelle sich auf das amerikanische Schulsystem ausgewirkt hat.

René Machu, Wettingen, ist Gründungsmitglied des Forums Allgemeinbildung Schweiz (fach), das sich kritisch mit den gegenwärtigen Entwicklungen am Gymnasium auseinandersetzt. www.forum-allgemeinbildung.ch

1) http://a-m-v.ch/wordpress/wp-content/uploads/2011/06/AMV_Positionspapier_Lehrplanrevision_2011.pdf, S. 3.

2) http://www.bertelsmann-stiftung.de/bst/de/media/xcms_bst_dms_30626_30627_2.pdf
   http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-B2F5CFE1-6E941AE5/bst/Rede_Oelkers.pdf
   Zur Bertelsmann Stiftung siehe auch: http://www.bertelsmannkritik.de/bildung.htm#rationalisierung

3) http://www.unipublic.uzh.ch/archiv/magazin/gesellschaft/2008/2914.html

4) Der Vortrag ist derzeit nicht im Netz verfügbar; schreiben Sie mir, und ich sende ihn Ihnen zu: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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