Leserbrief zu Leitartikel NZZ, 13. Mai 2017

Dr. Erwin Mächler
Wolkenbergstrasse 3
9445 Rebstein

13. Mai 2017

Herrn
Dr. Andreas Rüesch
Auslandredaktor NZZ
Neue Zürcher Zeitung AG
Postfach
8021 Zürich

Betr. Leitartikel in NZZ vom 13. Mai 2017

Sehr geehrter Herr Rüesch

"Putin führt Krieg gegen den Westen". Die reisserische Schlagzeile zu Ihrem Leitartikel. So ein Quatsch.

Nicht Putin führt Krieg gegen den Westen, sondern die Vereinigten Staaten führen Krieg gegen die halbe Welt. Unter dem Deckmantel der selbst zugelegten Weltpolizistenrolle. Eklatantestes Beispiel: Mit dem zweiten Krieg gegen den Irak der USA 2003, auf Grund erwiesenermassen unwahrer Annahmen (Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins), wurde ein ungeheurer Flächenbrand im ganzen Nahen Osten und im Maghreb losgetreten. Mit Millionen unschuldiger Todesopfer und und einer Völkerfluchtbewegung epochalen Ausmasses.

Die eventuelle russische Aktivität im Cyberbereich ist Ihnen ein Leitartikel mit einer der NZZ unwürdigen reisserischen Schlagzeile wert. Wenn sich nun Russland mit den modernsten Mitteln der Cybertechnik zu wehren beginnt (ohne Todesopfer), ist Putin zu gratulieren: Chapeau. Wenn jemand den 3. Weltkrieg vorbereitet, so ist es die NATO unter der autoritären Führung der USA. Der "NATO Osterweiterung" ist die unheilvolle Destabilisierung ganz Osteuropas zuzuschreiben. Sie nehmen dies offenbar nicht gerne zur Kenntnis. Lesen Sie doch einmal bitte Daniele Ganser, Illegale Kriege, 6. Auflage 2017, Verlag Orell Füssli.

Auch dass das jährliche USA-Militärbudget 800 Milliarden Dollar beträgt, dasjenige der Russischen Föderation dagegen nur 80 Milliarden, kann der Leser in der NZZ nirgends finden. Es ist kein Geheimnis, dass die USA weltweit über 700 Militärstützpunkte betreiben, Russland deren drei. Wo da das Risikopotential für einen dritten Weltkrieg liegt, ist offensichtlich. Dass die Praktizierung der Rolle des Weltpolizisten in den meisten Fällen gegen das Völkerrecht verstösst, wird auch nicht explizit vermittelt. Schon gar nicht, dass die Regierungschefs der intervenierenden Staaten (mit Entourage) meist gegen das Völkerrecht verstossen und wegen "Kriegsverbrechen" vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gehörten.

Zeitgleich zu Ihrem schwachen Leitartikel findet in Beijing das Belt and Road Forum im Zusammenhang mit dem berühmten Projekt der "Neuen Seidenstrasse" statt. Ein riesiges Friedensprojekt mit über 40 teilnehmenden Ländern. Ansprachen von Xi Jinping, Putin und anderen. Unter den Teilnehmern Ungarn, Spanien (nicht aber die EU), und auch die Schweiz. Abwesend die USA, Japan und andere. Da baut sich etwas auf, das sich zum Segen der Welt entwickeln kann, oder aber zum letzten Weltkrieg der Menschheit. Nämlich dann, wenn die USA nicht auf ihren Weltbeherrschungsanspruch verzichten.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. Erwin Mächler
als Oberst i Gst aD
ehemals Stabschef
der schweiz. Flugwaffe
(Honorary Citizen of the State
of Alabama, also Freund
Amerikas)

Cc: Dr. Etienne Jornod, VR Präsident NZZ
Dr. Eric Gujer, Chefredaktor
Nur für Dr. Jornod: Ein anderer Auslandsredaktor mit einer ausgewogeneren Sichtweise des Weltgeschehens täte der NZZ gut
Bc: Dr. Daniele Ganser *

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